Er bewahrte Düsseldorf 1945 vor erneuter Bombardierung – Der spätere NS-Widerstandskämpfer Karl Müller war Schüler am Gymnasium Petrinum in Dorsten

Karl Müller nach 1945 (rechts vorne) zusammen mit den Düsseldorfer Widerstandskämpfern Aloys Odenthal, Ernst Klein, Josef Lauxermann und Karl August Wiedenhofen; Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Von Wolf Stegemann

Das, was den 1893 in Gerresheim bei Düsseldorf geborenen Gegner des Nationalsozialismus mit Dorsten verband, war sein Schulbesuch auf dem Gymnasium Petrinum, sein Wohnaufenthalt im Schülerwohnstift Carolinum am Ostwall sowie seine erste Frau Charlotte Berger. Sein Abitur machte er 1914 allerdings in Bocholt. Dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Karl Müller, von dem hier die Rede ist,  gelang es 1945 zusammen mit Aloys Odenthal und Karl August Wiedenhofen, eine erneute Bombardierung Düsseldorfs durch die Alliierten abzuwenden und entgegen den Befehlen des NS-Regimes die Stadt kampflos an die heranrückenden amerikanischen Truppen zu übergeben.

Über die Neugestaltung Deutschlands gesprochen

1914 nahm Karl Müller am Ersten Weltkrieg teil, studierte ab 1916 in Bonn und in Münster Jura und promovierte 1921 an der Universität Greifswald. Bis 1928 lebte Karl Müller mit seiner Dorstener Frau Charlotte Berger in Köln, Saarbrücken und Düsseldorf, bevor er 1932 nach Frankreich auswanderte. Die Ehe wurde 1935 geschieden und Müller kehrte nach Düsseldorf zurück, wo er sich als Rechtsanwalt niederließ und eine tiefe Abneigung gegen die totalitäre Weltanschauung der Nationalsozialisten entwickelte. Deshalb traf er sich seit Ende der 1930er-Jahre regelmäßig in Gerresheim mit dem Architekten Aloys Odenthal und dem ehemaligen Amtsgehilfen des Düsseldorfer Polizeipräsidiums, Theodor Winkens, um über die politische Lage zu diskutieren. Da er ungeachtet der nationalsozialistischen Propaganda die Kontakte zu seinen französischen Freunden aufrecht hielt, geriet er schon früh ins Visier der Gestapo. 1943 entstand über Karl Müller der Kontakt zu dem Rechtsanwalt Karl August Wiedenhofen, der in der Düsseldorfer Innenstadt einen kleinen Widerstandskreis um sich geschart hatte. Die beiden Gruppen trafen sich von nun an ein- bis zweimal monatlich, um über eine Neugestaltung Deutschlands und die Befreiung vom nationalsozialistischen Regime zu diskutieren, ohne jedoch konkrete Aktionen zu planen oder durchzuführen.

Erfolglos das Düsseldorfer Polizeipräsidium gestürmt

Im Februar 1945 erreichten alliierte Truppen die Stadt Düsseldorf, die zu einer hart umkämpften Frontstadt wurde, die, sollte man sie aufgeben müssen, die Nazis als „verbrannte Erde“ hinterlassen wollten. Karl Müller versuchte dies zu verhindert und stürmte bewaffnet mit Mitverschworenen („Aktion Rheinland“) das Düsseldorfer Polizeipräsidium, was auch gelang. Doch dann wurde die Aktion verraten. Karl Müller konnte gerade noch fliehen, während fünf seiner Mitstreiter am 16. April 1945 festgenommen und standrechtlich hingerichtet wurden. Inzwischen war es Odenthal und Wiedenhofen gelungen, bis zu den amerikanischen Truppen durchzudringen und die alliierten Kommandeure von einer kampflosen Übergabe Düsseldorfs zu überzeugen. Der für die Nacht auf den 17. April 1945 geplante Bombenangriff konnte dadurch verhindert werden.

In Düsseldorf eine Straße nach ihm benannt

Nach 1945 arbeitete Müller in Düsseldorf als Rechtsanwalt; 1948 heiratete er in zweiter Ehe Elisabeth Regine Krüll. Beide Ehen blieben kinderlos. Karl Müller starb 1949 im Alter von 56 Jahren in Düsseldorf. Sein Ehren-Grab befindet sich auf dem dortigen Nordfriedhof. An ihn erinnert eine nach ihm benannte Straße in Düsseldorf-Düsseltal.

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Quelle: Website LVR-Portal. – Literatur: Hans-Peter Görgen „Düsseldorf und der Nationalsozialismus. Studie zur Geschichte einer Großstadt im Dritten Reich“, Düsseldorf 1969. – Karl Schabrod „Widerstand gegen Flick und Florian“, Frankfurt am Main 1978. –  Hugo Weidenhaupt, Hugo (Hg.) „Düsseldorf. Geschichte von den Anfängen bis ins 20.Jarhundert“, Band 3, Düsseldorf 1989. – Volker Zimmermann „In Schutt und Asche. Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Düsseldorf“, Düsseldorf 1995.

 

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