116. Panzerdivision „Die Windhunde“ – Sie kämpfte auch in Dorsten und ging auf den Rheinwiesen in Gefangenschaft

Die 116. Panzerdivision in der Ardennen-Offensive. Am Panzer ist das "Windhund"-Emblem zu sehen.

W. St. – Als am 28. April amerikanische Armeeeinheiten von Wesel kommend in Dorsten einrückten, stießen sie auf den Widerstand von Resten der 116. Panzerdivision sowie der 180. und 190. Infanteriedivision, die sie bereits vor sich hergetrieben hatten. Allerdings hielt der Widerstand  nicht lange an, war militärisch völlig nutzlos und forderte auch noch in dem völlig zerstörten Dorsten Todesopfer unter den deutschen Soldaten. Die 116. Panzerdivision („Windhund-Division“) wurde aus Resten der 16. Panzergrenadierdivision, die an der Ostfront schwer unter den harten Kämpfen gelitten hatte, und der 179. Reserve-Panzerdivision gebildet. Das Divisionsabzeichen war ein stilisierter Windhund namens „Sascha“. Ihr Motto und Leitspruch lautete:

„Schnell wie ein Windhund,
Zäh wie Leder,
Hart wie Kruppstahl,
Windhund Vor!“

Divisionskommandeur Siegfried von Waldenburg

Die Panzerdivision wurde am 28. März 1944 in Rheine aufgestellt und nach Nordfrankreich verlegt, wo sie in Abwehrkämpfe gegen die Alliierten, die in der Normandie gelandet waren,  verwickelt worden waren. Die Division wurde im Kessel von Falaise eingeschlossen und konnte nur unter großen Verlusten ausbrechen. Dadurch schrumpfte die Division auf 600 Mann und zwölf Panzer. Die 116. Panzerdivision war die einzige deutsche Einheit, welche sich am 16. September 1944 in Aachen befand, als die 3. US-Panzerdivision ihren Angriff auf den Westwall begann. Danach wurde sie in Düsseldorf in einer Stärke von 11.500 Mann und 41 Panzern neu gebildet, nach Aachen verlegt und dem I. SS-Panzerkorps unterstellt. In der Folge war die 116. Panzerdivision an der „Schlacht im Hürtgenwald“ und als Teil der 5. Panzerarmee an der Operationen „Wacht am Rhein“ (später umbenannt in „Herbstnebel“, bekannt als „Ardennenoffensive“) beteiligt und kehrte im Januar 1945 nach Kleve zurück. Bei diesen Kämpfen wurden insgesamt ca. 72.000 Menschen getötet. 2.000 Zivilisten, 30.000 deutsche Soldaten und 40.000 amerikanische Soldaten.
Als die Division die beschädigten Dämme und Brücken der Ruhr verteidigten, starteten die Alliierten am 8. Februar 1945 die Operation „Veritable“. Innerhalb dieser Operation wurde die 116. Panzer-Division von den Alliierten eingekesselt. Ihr gelang es jedoch, sich über den Rhein abzusetzen und die Brücken zu zerstören.

Bäche wurden zur Frontlinie

Abzeichen der 116. Panzerdivision "Windhund"

Von nun an war die Division Teil des XLVII. Panzerkorps der Heeresgruppe H unter Generaloberst Blaskowitz. Der Division wurde am 24. März 1945, ein Tag nach der Totalbombardierung von Dorsten, befohlen, den Vorstoß der amerikanischen 30. Infanteriedivision südlich der Lippe aufzuhalten. Positioniert an der deutsch-holländischen Grenze, begann das Panzergrenadierregiment 60 bei Einbruch der Dunkelheit am 26. März seine Angriffe auf die Stellungen der amerikanischen 30. Infanteriedivision und verhinderte so den weiteren Vorstoß der amerikanischen Division.

Die 116. Panzerdivision setzte sich bei Kirchhellen fest. Die Amerikaner traten bereits am frühen Morgen des 28. April zum Angriff auf Kirchhellen an und drangen in den Ort ein. Die Panzerdivision ging auf die Frontlinie nordwestlich von Polsum-Buer zurück. Der Divisionsgefechtstadt mit dem Kommandeur Siegfried von Waldenburg wurden nach Polsum-Ost verlegt. Die Verteidigungslinien der 116. Panzerdivision waren so dünn, dass sie nach Marl verlegt werden mussten, da sie den Angriffen der 8. US-Panzerdivision nicht standhalten konnten. Am 28. März verteidigten noch Kompanien der Panzerdivision den Raum Dorsten-Kirchhellen-Polsum. Sie verfügten noch über vier Panzer. Ihre Gegner waren hier die 30. US-Infanteriedivision und die 8. US-Panzerdivision. Werner Andrejewski schreibt in „Holsterhausen unterm Hakenkreuz“(2007):

„Beim rechten Nachbarn der 116. Panzerdivision, der 190. Infanteriedivision, drohte ein Durchbruch. Die 116. Panzerdivision beantragte daher beim 47. Panzerkorps einen weiteren Rückzug. Dieser wurde zunächst verweigert. Erst als dem Korps klar wurde, wie groß die Gefahr war – das Panzergrenadierregiment 60 hatte gerade noch 100 Panzergrenadiere bei einem Soll von etwa 1.800 – erfolgte dann doch die Genehmigung. Am Abend zogen sich die 180. Infanteriedivision und die 116. Panzerdivision auf eine Linie am Hasseler Mühlenbach (auf Dorstener Gebiet Rapphoffs Mühlenbach genannt) zurück. Die 180. Infanteriedivision hinterließ in der Stadt Dorsten noch Nachhutverbände, die das weitere Vordringen des Gegners verhindern sollte.“

Am 30. März gab es noch einmal ein Scharmützel der 116. Panzerdivision. Die mit ihren 20 Panzern die Alliierten wieder aus Polsum hinauswerfen konnten. Dennoch musste die deutsche Linie am Abend bis Marl-Hüls zurückgenommen werden, um das Chemiewerk zu verteidigen. Dort übernahm die 116. Panzerdivision bei Siepe 14 neue „Jagdpanther“.

Ein Pferdezug, Rest der 116. Panzerdivision, geht in Gefangenschaft; Foto: US-Archiv

Im Ruhrkessel eingeschlossen

In Dorsten wurden die bis dahin in der Stadt verbliebenen und verschanzten Nachhut-Reste von der britischen königlichen 6. Panzer-Brigade ausgeflankt, als diese die Stadt umging. Der Divisions-Kommandeur Siegfried von Waldenburg kam mit seinem Kommandeurswagen zwar nach Dorsten, kehrte aber nach kurzer Zeit wieder nach Polsum zurück. Sein Stabschef war Oberstleutnant i. G. Heinz Günther Guderian, Sohn des bekannten Heerführers Heinz Guderian. Vereinzelte Abwehrkämpfe im Raum Hervest-Dorsten zogen sich bis in die Abendstunden des 31. März hin. Bis zum Am 4. April wurde der Division befohlen, eine Verteidigungslinie nördlich hinter dem Rhein-Herne Kanal einzunehmen, um so die Verteidigung des nördlichen Ruhrtals zu verstärken. Damit befand sich die 116. Panzer-Division  innerhalb des Ruhrkessels im Raum Hamm-Werl-Menden/Hemer-Iserloh. Reste der Division gelangten aus dem Kessel zur 12. Armee (General Wenck). Bis zum 18. April 1945 hörte jeglicher deutscher Widerstand innerhalb des Ruhrkessels auf. Die Reste der 116. Panzerdivision ergaben sich im Ostteil des Ruhrkessels der amerikanischen 9. Armee.

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6 Kommentare zu 116. Panzerdivision „Die Windhunde“ – Sie kämpfte auch in Dorsten und ging auf den Rheinwiesen in Gefangenschaft

  1. Hüttermann sagt:

    Bin 80 jahre alt und habe die letzten Kriegsjahre in Dorsten bewußt erlebt. Die letzten Kriegstage waren wir in einem Ortsteil vor Kirchhellen untergebracht. Dort waren vor unserem Haus unter hohen Bäumen moderne deutsche Panzer untergezogen. Am Karfreitag mussten wir von Kirchhellen nach Dorsten zurück. Im Straßengraben an der Kirchhellener Alle lagen noch vereinzelt gefallene deutsche Soldaten.
    Wir mussten, da wir in Hervest-Dorsten wohnten, den Kanal und die Lippe überqueren. Ich erinnere mich, dass der Kanal – neben der gesprengten Brücke – zugeschüttet war und wir mit unserer kleinen Karre nicht die andere Seite der sandigen Brückenrampe hochkamen und uns amerikanische Soldaten beim raufschieben halfen. Nun wohne ich seit 40 Jahre in Koblenz. Doch die Geschichte meiner Heimatstadt im und nach dem Krieg interessiert mich immer noch. Schade, dass das persönliche Wissen um diese Zeit mit dem Tod meiner Generation in Vergessenheit gerät.

    • D cousain sagt:

      Hallo! Ich war heute (30. Dez. 2014) im Hürtgenwald. Mir hat ein älterer Mann vieles erzählt über den Krieg im Hürtgenwald. War echt traurig, so viele Tote!

  2. Krebbers sagt:

    Eigentlich bin ich in einer Recherche um Falaise / Ardennen verstrickt und zufällig auf diese Information gestoßen.
    Ich lebte in der Zeit von 1958 bis 1970 mehr oder weniger in Dorsten, Lernte bei Foto Adrian, schrieb für die RN und die Rundschau, trieb beim VfL Sport, wirkte im DRK kannte das Judenwäldchen, Maria Lindenhof und hatte eben gleichaltrige Freunde, die sich um die aktuellen Themen unserer Zeit kümmerten. Geschichte – war Geschichte, weil sie in unseren Schulen so vermittelt wurde, daß man nur wenig Spaß daran fand, weil die Vergangenheit um das Dritte Reich noch nicht aufgearbeitet worden war. Militärzeit und anschließendes Studium, Beruf und Familie zogen mich aus der Stadt Dorsten, mit der ich heute noch verbunden bin.
    Seit nunmehr 12 Jahren arbeite ich Geschichte auf – zur Zeit den 1. WK in den Ardennen, Chestres, Vouziers, Falaise. Beschauliche kleine Orte mit tragischer Kriegsvergangenheit. Falaise in den Ardennen ist mir ein Begriff, war noch nicht dort, obwohl ich mehrere Male im Jahr dort vorbeifahren. Aus der Militärgeschichte sind mir die 116.PzDiv, der Hürtgenwald ein Begriff. Niemand erzählte mir, daß die 116. auch in Dorsten stand. Nun weiß ich es, bin froh darüber, hoffe, genug Zeit zu finden und zu haben, bei meinem nächsten Besuch in Dorsten diese Spur aufzunehmen.
    Vielleicht gelingt es mir dann, einen Schlüssel zu dem Schicksal meines ostpreußischen Patenonkels, der durch Dorsten kam, zu finden.
    Der Artikel selber hat mich berührt. Ich bin zwar ein Kriegsjahrgang, habe den Krieg nicht bewußt erlebt, in Kriegsgebieten der heutigen Zeit gearbeitet, versucht, Leid zu lindern, um immer wieder zu erkennen, daß bestimmte Kreise in den Gesellschaften aus der Geschichte nicht lernen wollen.
    So es möglich ist, würde es mich freuen, zu dem Verfasser Kontakt zu bekommen.

    Mit besten Grüßen aus Frankreich.

    • I have the exact details of the american battle at Kirchhellen and Buer Hassel March 28-30, 1945. My dad was in the 8th armoured division as tank commander and drove his tank into Buer Hassel. When he turned the corner, he was looking at a 116th Panzer. I am currently retracing dad’s route. He is buried in Margraten which I will visit in 2015. Contact me for the battle details if you are interested. – Bruce Brodowski

      • Adjudant Hermans Alain Jean-Marie sagt:

        Dear Mr. Brodowski,
        I’m interested in the battle details.
        Best regards from Camp Elsenborn (Belgium)
        Thanks in advance.
        Respectfully
        Adjudant Alain Hermans Camp (Lager) ELSENBORN
        Belgian Army

      • Dietger Hubert sagt:

        Dear Mr.Brodowski,my name is Dietger Hubert and I am interested in your fathers Details at eastern 1945 in the aerea of
        Kirchhellen,Marl,Scholven,Polsum,Hassel ,Ge.-Buer esspecially at Point TELGENBUSCH a smal Wood before Alt-Marl and
        Hassel,where some parts of the 116th panzer were located with there TIGERS and about 3 Sturmtigers.Thanks in advance with best regards Dietger Hubert.
        Lieber Mr.Brodowski, mein Name ist Dietger Hubert und ich bin an Details Ihres Vaters interessiert: 1945 im östlichen Gebiet von
        Kirchhellen, Marl, Scholven, Polsum, Hassel, Ge.-Buer speciell am Punkt TELGENBUSCH, einem schmalen Waldstück vor Alt-Marl und
        Hassel, wo einige Teile des 116. Panzerregiments mit den Panzern Tiger und etwa 3 Sturmtiger lagen. Danke im Voraus mit freundlichen Grüßen Dietger Hubert.

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