Drei Nationalsozialisten mit Dorstener Bezug schmückten sich mit dem „Goldene Ehrenzeichen der NSDAP“: Dr. Heinrich Glasmeier, Richard Hildebrandt und Friedrich Geißelbrecht

Das große und das kleine Abzeichen

Von Wolf Stegemann

Auf der Leiche des Mannes in halbgekrümmter Stellung lagen die Überreste einer verkohlten Parteiuniform der NSDAP und ein angesengtes goldenes Parteiabzeichen. Bei der verkohlten Leiche der Frau wurde ein angesengtes goldenes Zigarettenetui entdeckt und auf der Leiche ein goldenes Parteiabzeichen. Bei den beiden angebrannten Leichen handelt es sich um den Reichminister Joseph Goebbels und seine Frau Magda, die nach ihrem Suizid am 2. Mai 1945 so von russischen Offizieren im Garten der Reichskanzlei in Berlin aufgefunden worden waren. Die beiden gehörten zu den rund 23.000 Personen (Stand 1935), die mit dem „Goldenen Ehrenzeichen der NSDAP“ geehrt wurden. Magda Goebbels erhielt ihres am 27. April 1945 im Führerbunker, drei Tage vor Hitlers Selbstmord. Hitler überreichte es ihr. Es war sein eigenes Parteiabzeichen, eine Sonderanfertigung mit der eingravierten 1 auf der Rückseite. Es besteht allerdings kein Anlass anzunehmen, dass Hitler über lediglich ein Exemplar seines Parteiabzeichens verfügte. 1996 teilte der russische Geheimdienst FSB mit, im Besitz des goldenen Parteiabzeichens Adolf Hitlers zu sein. Als anlässlich einer Ausstellung zum 60. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation vom 8. Mai 1945 das Abzeichen erstmals ausgestellt werden sollte, wurde es am 30. Juni 2005 bei einem Einbruch entwendet.Drei in Dorsten bekannte Karrieren in der SS und Partei

Richard Hildebrandt

Als Träger des Goldenen Parteiabzeichens, die Bezug zu Dorsten haben, sind hier drei bekannt. Es handelt sich um den in Dorsten geborenen Archivar Dr. Heinrich Glasmeier, den in Dorsten auf das Gymnasium Petrinum gegangenen SS-Kriegsverbrecher Richard Hildebrandt und um den in Dorsten nach 1945 entnazifizierten NSDAP-Schatzmeister Friedrich Geißelbrecht.

Richard Hildebrandt (1897 – 1951) machte am Gymnasium Petrinum das Abitur. Sein Vater war zu der Zeit Direktor der Keramitwerks in Holsterhausen. Er wurde SS-Obergruppenführer und General der Polizei und Kriegsverbrecher im besetzen Polen. Deshalb wurde er im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess Nr. 8 zu 15 Jahren Zuchthaus und Auslieferung an Polen verurteilt.

Friedrich Geißelbrecht

Friedrich Geißelbrecht (1895 – 1985) nahm an dem missglückten Putsch Hitlers im November 1923 in München teil (Weg zur Feldherrnhalle) und wurde zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt. Daher galt er als „Blutzeuge der Bewegung“ und erhielt den „Blutorden“. Geißelbrecht machte in der NSDAP Karriere und wurde Reichstagsabgeordneter. Nach dem Krieg tauchte er bei seinem Schwager, dem Berufsschuldirektor Richard Herpers, in Holsterhausen unter und wurde entnazifiziert.

Dr. Heinrich Glasmeier (1892 – 1945) machte im Dritten Reich ebenfalls Karriere. Der Dorstener Sohn eines Drogisten war gelernter Archivar. Im Dritten Reich machte er Karriere. Glasmeier trat im Februar 1932 der NSDAP bei und avan­cierte bald zum Gaukulturwart und Gaugeschäftsführer beim NSDAP-Gau Westfalen-Nord. Zudem half der ehemalige Petrinum-Schüler als SS-Führer mit, die SS in Westfalen aufzubauen. Während der für die NSDAP so entscheiden­den Lippischen Landtagswahlen war Hein­rich Glasmeier Hitlers Fahrer, der ihn 1933 zum Rundfunkintendanten und Leiter des Bruckner-Stifts St. Flo­rian (Orchester) bei Linz machte. Dorthin zog er sich vor Kriegs­ende zurück und suchte beim Herannahen sowjetischer Truppen den Freitod an der Front, weil er den Führer nicht überleben wollte.

Heinrich Glasmeier

Abzeichen mit der Parteinummer versehen

Das „Goldene Ehrenzeichen der Partei“ war neben dem so genannten „Blutorden“ die höchste Auszeichnung der Bewegung – mit mancher bemerkenswerten Geschichte. Es war eine der begehrtesten Auszeichnungen. So begehrt, dass die Parteiabzeichen von der Feldzeugmeisterei der NSDAP nummeriert wurden, um Missbrauch zu vermeiden. Das hatte auch praktische Vorteile: So soll es angeblich nicht nur einen Fall gegeben haben, in dem die Nummer es ermöglichte, in Verlust geratene Auszeichnungen dem wahren Besitzer zukommen zu lassen, wenn dieser es beispielsweise in einem Etablissement verloren hatte: „Anbei reichen wir Ihnen Ihr anlässlich des Reichsparteitages in Nürnberg in Verlust geratenes Parteiabzeichen zurück.“ Das „Goldene Ehrenzeichen der NSDAP“ wurde anlässlich des 9. Novembers 1933 per Verfügung durch Adolf Hitler gestiftet. Empfangsberechtigt waren die Parteimitglieder mit den Mitgliedsnummern 1 bis 100.000, die seit dem Eintritt in die NSDAP ohne Unterbrechung der Partei angehörten. Dies galt ab der Neugründung der Partei am 27. Februar 1925. Die Mitgliedsnummer wurde auf der Rückseite des Abzeichens eingraviert. Das Ehrenzeichen musste beantragt werden. Der Antragsschluss sollte am 1. Mai 1935 sein. Es sind aber Verleihungen bis 1945 bekannt. Ab 1937 wurde das Goldene Ehrenzeichen auch ehrenhalber verliehen. Zu den beliehenen gehörten Minister und hohe Militärs die nicht unbedingt der NSDAP angehörten.

Die große Ausführung wurde auf der Dienstuniform getragen

Goldene Parteiabzeichen an der Uniform von Gauleiter Alfred Meyer

Die „große Ausführung“ des Abzeichens wurde auf allen Dienstuniformen der NSDAP und deren Gliederungen sowie militärischen Uniformen bzw. bei Zivilpersonen bei öffentlichen Veranstaltungen am „Gesellschaftsanzug“ getragen. Die „kleine Ausführung“ war dann zu tragen, wenn die „große Ausführung“ als unpassend empfunden wurde oder es nicht die Möglichkeit gab, diese zu benutzen. Extrem selten waren Varianten des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP für Ausländer. Ferner war offensichtlich von Adolf Hitler geplant worden, das Goldene Parteiabzeichen um eine Variante auf einem Runenstern und um eine 2. Stufe als „Silbernes Ehrenzeichen“ zu erweitern. Es wurden zwar Musterstücke entworfen, aber zu einer Verleihung dieser Varianten kam es nicht mehr.

Uniformen wurden verbrannt, das Abzeichen verschwand

Bei Kriegsende verschwand so manche Parteiuniform im Ofen und das Goldene Parteiabzeichen unter der Erde im Garten. Ein Flüsterwitz machte die Runde, demnach ein Träger des Goldenen Parteiabzeichens eine Anzeige im Lokalblatt aufgegeben hatte: „Tausche Goldenes Parteiabzeichen gegen Siebenmeilenstiefel.“ Auch auf etlichen Fragebogen, den die Deutschen bei ihrer Entnazifizierung auszufüllen hatten, verschwand der Partei-Orden, indem er gar nicht erst aufgeführt wurde. Heute gehört das Abzeichen zu den verfassungsfeindlichen NS-Auszeichnungen, deren Tragen in Deutschland nach dem Ordensgesetz vom 26. Juli 1957 in keiner Form zulässig ist.

Siehe auch die Biografien:
Die Hildebrandts (II) – Richard Hildebrandt, Petrinum-Abiturient vom Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal verurteilt und als Mörder in Polen gehenkt

Sein Aufstieg war steil, das Ende ruhmlos – Reichsrundfunkintendant Heinrich Glasmeier war des Führers Günstling

Friedrich Geißelbrecht – ein hoher NSDAP-Funktionär und „Blutzeuge“ in Dorsten entnazifiziert

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Quellen: Staatsarchiv Nürnberg, NS-Mischbestand Rep 50. – Christian Zentner, Friedemann Bedürftig: „Das Große Lexikon des Dritten Reiches“, Südwest 1985. – Ian Kershaw: „Hitler“, Band 2, Stuttgart 2000.
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