Im Sinne des Nationalsozialismus wurden Städte mit Ehrentiteln ausgezeichnet

W. St. – Seit jeher bekamen Städte zu ihnen passende Beinamen, um gleichnamige Orte voneinander unterscheiden zu können. Als Beinamen wurden Flüsse verwendet an denen der Ort lag (Rothenburg ob der Tauber), Berge (Neustadt am Rübenberge), Landschaftsbezeichnungen (Worms im Veltin) oder Inseln (Burg auf Fehmarn). Darüber hinaus schmückten sich Städte mit Beinamen, um sich von anderen mitunter protzend oder werbend abzuheben (Nürnberg, „des Reiches Schatzkästlein“) oder Hamburg, („Tor zur Welt“). Im Dritten Reich wurden daraus im Sinne des Nationalsozialismus offiziell vergebene „Ehrennamen“. Mehrere Städte durften die Titel dann als weihevoll als Beinamen führen.

Die 1945 in Wolfsburg umbenannte Ansiedlung bei der Gemeinde Fallersleben für das Volkswagen-Werk erhielt 1938 den Gründungsnamen „Stadt des KdF-Wagens“. Berlin-Friedrichshain durfte sich ab 1933 „Horst-Wessel“-Stadt nennen, Braunschweig gab sich selbst den Titel „Die deutsche Siedlungsstadt“ und Bremen die „Stadt der Kolonien“. Coburg in Oberfranken erhielt 1939 den Ehrentitel „Erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands“ und Frankfurt am Main nannte sich ab 1935 „Stadt des deutschen Handwerks“. Goslar war ab 1936 die Reichsbauernstadt und Landberg am Lech bekam 1937 den Ehrentitel „Stadt der Jugend“ verliehen. Leipzig war ab 1937 die „Reichsmessestadt“, München schon ab 1933 die „Hauptstadt der deutschen Kunst“ und ab 1935 die „Hauptstadt der Bewegung“ (gemeint die nationalsozialistische). Neumarkt in der Oberpfalz durfte sich die „Dietrich-Eckart-Stadt“ nennen und Nürnberg die „Stadt der Reichsparteitage“. Salzgitter nannte sich die „Stadt der Hermann-Göring-Werke“, Soest die „Stadt des deutschen Mittelalters“ und Stuttgart bekam 1936 den Titel „Stadt der Auslandsdeutschen“ verliehen.

In der damaligen Ostmark (Österreich) dürfte sich Graz 1938  „Stadt der Volkserhebung“ nennen, Innsbruck „Stadt der Bergsteiger“ und  Salzburg Stadt der „Lebensforschung“. Linz hieß zunächst „Jugendstadt des Führers“ bzw. „Heimatstadt des Führers“ und dann 1938 „Gründungsstadt des Großdeutschen Reichs“ und „Patenstadt des Führers“. Wels war in der Ostmark die „Stadt der Bewegung“.

Heute geben sich Städte selbst ihre Beinamen

In der Bundesrepublik wurde das Führen von Beinamen noch verstärkt. Dafür gibt es gesetzliche Regelungen. Beispielsweise hat Nordrhein-Westfalen jüngst die gesetzlichen Regelungen teilweise aufgehoben und es den Städten überlassen, wie sie sich nennen: Der Zusatz Bad bleibt weiterhin amtlich geregelt und nur an Heilbäder vergeben. Die Stadt Aachen verzichtet auf das ihr rechtlich zustehende „Bad“ im Namen, um seinen ersten Platz in alphabetischen Auflistungen der Städte zu behalten.

Hansestadt gilt für die Städte, die in der Hanse waren. Dorsten nennt sich hin und wieder auf Werbeprospekten „Kleine Hansestadt an der Lippe“, was eine Übertreibung sein dürfte, in der Werbung allerdings augenzwinkernd erlaubt. Wittenberge nennt sich nun offiziell „Lutherstadt“, Osnabrück „Friedensstadt“ (Dreißigjähriger krieg9 und das niederbayerische Straubing, eher bekannt als Zuchthausstadt, nennt sich nun „Wissenschaftsstadt“.

 

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