SS-Verein Lebensborn: Ledige Mütter mussten den strikten „Zuchtkriterien der SS entsprechen“ – Friedrich M., Dorstener Lebensborn-Kind, schämt sich seiner Geburt

Taufzeremonie im Lebensborn-Entbindungsheim der SS in Steinhöring; Foto: Bundesarchiv

Von Wolf Stegemann

November 2012. Ich verabrede mich mit ihm im Literatur-Café der Buchhandlung Talia am Dorstener Marktplatz. Am Telefon sagte er mir, dass er ein so genanntes Lebensborn-Kind sei und er mit mir darüber sprechen möchte. Bei den Treffen erzählte er seine bedrückende Geschichte. Er habe erst nach dem Tod seines Vaters im Jahre 2009 erfahren, dass er schon als „Leibesfrucht“ der SS gewidmet war. Warum sich seine Mutter dann doch anders entschieden hatte, wisse er nicht. Denn sie habe nie mit ihm darüber gesprochen. Erst als er nach dem Tod seines Vaters die Papiere durchsah, die seine Eltern in einem alten Karton unten im Kleiderschrank aufbewahrt hatten, habe er die Umstände seiner Geburt erfahren. Seine Mutter war zehn Jahre früher gestorben als der Vater.

NS-Propagandabild für die SS-Einrichtung "Lebensvorn"

Im Karton war das aufbewahrt, was die meisten Menschen aufheben, das ihrem Lebensweg Identität gibt: darunter abgelaufene Ausweise, Meldebestätigungen, einen Arier-Nachweis, Briefe, Geburts- und Heiratsurkunden, ungültige Sparbücher, erhaltene Postkarten, der Wehrpass des Vaters, Bescheinigungen aller Art mit Hakenkreuz-Stempeln, kleinformatige vergilbte Fotos und Feldpostbriefe. Alles normal. Und doch änderte die Durchsicht des Kartons die Lebensbefindlichkeit meines 70 Jahre alten Gesprächspartners beträchtlich. Er meinte, er sei in ein dunkles Loch gefallen, nachdem er begriffen hatte, was sich in einem zugeklebten Umschlag befand, den er öffnete. Die Dokumente beschämten ihn zutiefst. Bis heute. Denn sein Vater, der ihn groß gezogen hatte, war nicht sein Erzeuger. Dieser war ein SS-Offizier, der im Osten kämpfte. Seine Mutter gehörte damals als SS-Telefonistin zum Stab dieses SS-Offiziers namens Wilfried K.* in Tschernogov. Die Liebesbeziehung der beiden blieb nicht ohne Folgen. Seine Mutter Karin von P.* wurde schwanger. Der SS-Offizier war verheiratet. Die Mutter kam nach München zurück, wo ihre Familie wohnte. Ihr Vater war Arzt bei der SS mit Einfluss. Die Familie und der Kindsvater regelten dann alles so, dass sie die schwangere Frau in das SS-Entbindungsheims „Hochland“ in Steinhöring im Landkreis Ebersberg/Oberbayern brachten. Dort wurde am 12. Februar 1942 der kleine Friedrich M.* geboren, eines von 1.409 Kindern, die dort zwischen 1936 bis 1945 zur Welt kamen. Der Kleine bekam die Nr. L 6.213. Haus „Hochland“ in Steinhöring war das erste nationalsozialistische Lebensborn-Entbindungsheim der SS.

SS-Offizier Wilfried K., 1942, der eigentliche Vater des Dorsteners Friedrich M.; Foto: privat

Eine tiefe Beschämung hält an

Den heute 70-Jährigen beschämte dies so sehr, dass er selbst in seiner eigenen Familie darüber nicht sprechen konnte oder wollte. Vor allem machte ihm zu schaffen, dass seine Mutter und seine Großeltern, wie aus den vorgefundene Dokumente hervorgeht, ihn, als er noch ungeboren war (SS-Jargon: „Leibesfrucht“), dem Lebensborn-Verein „Hochland“ der SS überlassen wollte. Dafür garantierte die SS eine absolute Diskretion und Anonymität. Doch sollte es dazu nicht kommen. Zum Tauf- und Namensgebungszeremoniell kamen der Vater mit SS-Kameraden und die Eltern seiner Mutter nach Steinhöring. Zwei Monate danach verließ die Mutter das SS-Entbindungsheim und nahm ihr Kind mit nach München ins Elternhaus. Die Mutter wurde aus der SS entlassen und blieb in München.

Die Mutter Friedrich M's vor 1945; Foto: privat

Weiter fand der Dorstener in dem Umschlag seiner Eltern Bescheinigungen über Zahlungen, die der Kindsvater, jener SS-Offizier, an seine Mutter und an das Lebensborn-Heim zu leisten hatte. Nach dem Krieg heiratete seine Mutter einen braven Bergbau-Ingenieur, seinen vermeintlichen Vater. 1953 zog die Familie von München nach Marl, dann nach Hervest-Dorsten. Beide, Mutter und Vater, auch nicht die Großeltern, haben ihn jemals über seine Herkunft aufgeklärt. Mit seinen nachgeborenen zwei Schwestern wuchs er in Hervest-Dorsten auf.

Vielleicht ist die Versöhnung mit den Eltern doch möglich

„Warum haben Sie sich bei mir gemeldet?“ fragte ich ihn, nachdem er mir seine Geschichte erzählt hatte. „Ich wollte mit jemanden darüber sprechen, der nicht zur Familie gehört.“ Er fügt hinzu. „Ich musste mich befreien!“ Nach einer kurzen Bedenkpause gab er mir die Genehmigung, seine Geschichte anonymisiert zu veröffentlichen  Ich sagte: „Warum waren oder sind sie bei diesem Thema so zurückhaltend? Ich finde, es ist eine sehr beeindruckende Lebensgeschichte!“ „Ja“, antwortete er und machte eine hilflos wirkende Geste mit den Händen. „Es geht um meine Mutter und ihren Mann, der auch heute noch mein Vater ist. Warum sagten sie mir nichts? Warum hatten sie nicht den Mut, mich über meine Herkunft zu informieren? Dass meine Mutter und meine Großeltern bei der SS waren, wusste ich doch. Aber um meine Geburt bauten sie eine Legende auf. Jedes Kind hat grundlegendes Recht, seine Herkunft zu erfahren. Mir haben sie dieses Recht verweigert! Warum?“ – Antworten wären Spekulationen.

„Haben Sie Forschungen über Ihren biologischen Vater angestellt?“ – „Nein, bis jetzt nicht. Vielleicht tue ich es noch. Unter den Unterlagen war ein Foto von ihm!“ Irgendwann sagte er: „Ich verstehe nicht, warum meine Eltern diese Dokumente nicht weggeworfen haben.“ Und dann wurde er nachdenklich und sagte: „Vielleicht wollten sie mir auf diesem Weg die Geschichte erzählen!“ Ich nickte. „Halten Sie diesen Gedanken fest und nehmen sie ihn als Anfang für einen Versuch der Versöhnung mit ihren Eltern!“

„Mit diesem Gespräch haben sie sich für diese Versöhnung geöffnet!“ sagte ich ihm beim Abschied. Als wir uns vor der Buchhandlung die Hand gaben, merkte ich am Händedruck, dass er verstanden hatte.

SS-Reichsführer Heinrich Himmler war Präsident von Lebensborn

Viele Lebensborn-Kinder taten das nicht. Sie schämten sich, weil viele von Ihnen dachten, Lebensborn-Heime waren bessere Bordelle für SS-Leute oder „Begattungsheime“ und Zuchtanstalten. Das waren diese Heime nicht. Sie waren ein Projekt, das ursprünglich von Heinrich Himmler erdacht worden war, um dem „Dritten Reich“ Kinder zuzuführen. Der Lebensborn e. V. war im nationalsozialistischen Reich ein von der SS getragener, staatlich geförderter Verein. SS-Reichsführer Heinrich Himmler war Vereins-Präsident. Ziel von Lebensborn war es, auf der Grundlage der NS-Rassenhygiene und Gesundheitsideologie die Erhöhung der Geburtenrate „arischer“ Kinder auch aus außerehelichen Beziehungen herbeizuführen. Dies sollte durch anonyme Entbindungen und Vermittlung der Kinder zur Adoption – bevorzugt an Familien von SS-Angehörigen – erreicht werden. So wurden 13 der 98 vom Lidice-Massaker betroffenen Kinder für den Lebensborn selektiert, während die anderen ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert und dort durch Gas ermordet wurden.

SS-Lebensborn-Heim "Hochland" im bayerischen Steinhöring, wo Friedrich M. geboren wurde (Postkarte)

Haus „Hochland“ in Steinhöring war das erste Lebensborn-Heim in Deutschland

Finanziert wurde die Organisation durch Zwangsbeiträge der SS-Angehörigen. Kinderlose hatten die höchste Abgabe zu entrichten, ab vier Kindern (ehelich oder unehelich) endete die Beitragspflicht. Diese Maßnahme sollte SS-Angehörige anregen, ihren „völkischen Verpflichtungen“ bezüglich Nachwuchsförderung nachzukommen.

Der Dorstener Friedrich M., dessen Geschichte eingangs geschildert ist, wurde in Steinhöring geboren. Er gehörte nicht zu den Kindern, die dort blieben und in nationalsozialistische Adoptivfamilien untergebracht  wurden. Seine Mutter nahm den Kleinen mit in ihr neues Leben. Lebensborn eröffnete am 15. August 1936 sein erstes Heim „Hochland“ in Steinhöring (Oberbayern). Das Heim verfügte anfangs über 30 Betten für Mütter und 55 für Kinder. Bis 1940 verdoppelte sich die Bettenzahl. Geschäftsführer des Lebensborn e. V. war zunächst SS-Sturmbannführer Guntram Pflaum und ab dem 15. Mai 1940 bis Kriegsende SS-Standartenführer Max Sollmann; ärztlicher Leiter war von Anfang an SS-Oberführer Dr. med. Gregor Ebner.

Eigene Standesämter sorgten für Anonymität der außerehelichen Geburten

Frauen, die sich um Aufnahme bewarben, sollten „in rassischer und erbbiologischer Hinsicht alle Bedingungen erfüllen, die in der Schutzstaffel allgemein gelten“. Entsprechend mussten die Frauen die gleichen Anforderungen erfüllen wie jeder SS-Bewerber bei der Aufnahme in die SS und bei der Heirat. Das Rasse- und Siedlungshauptamt erteilte Heiratsgenehmigungen. Im Laufe des Krieges wurden die Aufnahmekriterien reduziert. Als SS-eigene Organisation konnte der Lebensborn Entbindungen geheim halten. Eigene Standesämter und polizeiliche Meldeämter in den Lebensborn-Heimen durften eine Geburt nicht an die Heimatgemeinde der ledigen Mutter weitermelden.

Schwester in einem Lebensborn-Heim; Foto: Bundesarchiv

Nationalsozialistische Lebensborn-„Taufe“ (1936)

War die Aufnahme bewilligt, konnte die Frau die Zeit der Schwangerschaft, auf Wunsch auch weit entfernt vom Heimatort, bis einige Wochen nach der Geburt des Kindes in einem Heim des „Lebensborn e. V.“ zubringen. Bei ledigen Müttern übernahm der „Lebensborn e. V.“ die Vormundschaft. Die Neugeborenen wurden in einem eigenen Zeremoniell mit einer Mischung aus pseudochristlichen, nationalsozialistischen und germanischen Riten unter Auflegung eines silbernen SS-Dolches unter der Hakenkreuzfahne „getauft“. Als Geschenk erhielten sie einen im KZ Dachau gefertigten Kerzenleuchter.

Heime in Deutschland in den Grenzen von 1937

„Pommern“ in Bad Polzin, heute in Polen (1938-1945). – „Hochland“ in Steinhöring bei Ebersberg (1936-1945).  – „Harz“ in Wernigerode (1937) . – „Kurmark“ in Klosterheide (1937). – „Friesland“ auf dem Gut Hohehorst in Löhnhorst (heute Schwanwede im Landkreis Osterholz (1937-1941). – Kinderheim „Taunus“ in Wiesbaden (1939-1945). – „Kriegsmütterheim“ in Stettin (heute Polen, 1940). – Kinderheim „Sonnenwiese“ in Kohren-Salis bei Leipzig (1942). – „Schwarzwald“ in Nordrach/Baden (1942). – Kinderheime „Franken I“ auf dem Bocksberg in Ansbach/Mfr. und „Franken II“ in der Heil- und Pflegeanstalt Ansbach (1944). – Villa der Familie Mann in München, Poschinger Straße (Zentrale des „Lebensborn“ von 1937 bis 1938). – Heime gab es auch im heutigen Österreich (damals Ostmark) und in den besetzten Ländern Polen, Luxemburg, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und die meisten (9) in Norwegen.

In Steinhöring, dem ersten Lebensborn-Heim, endete auch das Projekt Lebensborn. Als die amerikanischen Truppen anrückten, verbrannten die Angestellten die Originalpapiere und ließen die aus allen Heimen hierher evakuierten Kinder zurück. Bei vielen Kindern konnte die Identität nicht geklärt werden.

Kriegsverbrecher-Tribunal in Nürnberg gegen das RSHA und den SS-Verein Lebensborn, der freigesprochen wurde

Prozess gegen das SS-Rasse- und Siedlungshauptamt und Lebensborn

Im Nürnberger Justizgebäude wurde vor einem US-Militärgericht im Rahmen des so genannten RSHA-Prozesses (der 8. Nachfolgeprozess) vom 1. Juli 1947 bis 10. März 1948 gegen 14 Beschuldigte verschiedener SS-Hauptämter verhandelt, darunter auch gegen vier ehemalige führende Funktionäre des Lebensborn e. V.. Mit auf der Anklagebank saß der Höhere SS- und Polizeiführer Richard Hildebrandt, der am Dorstener Gymnasium Petrinum 1915 Abitur machte, er und seine Familie zeitweise in Dorsten wohnten. Sein Vater war damals Direktor des Keramtwerks in Holsterhausen. Richard Hildebrandt wurde als zeitweiliger Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes zu 15 Jahren Gefängnis und zur Auslieferung an Polen verurteilt. Dort wurde ihm der Prozess u. a. wegen Raub von polnischen Kindern und Zuführung dieser als „germanisiert“ geltenden Kinder in die Heime von Lebensborn. Er wurde 1951 gehenkt (siehe: Die Familie Hildebrandt II – Richard Hildebrandt … in dieser Dokumentation). In den Anklagepunkten, die sich auf ihre Tätigkeit im Lebensborn begründeten, wurden alle Angeklagten freigesprochen. Ihre aktive Rolle bei der Verschleppung und Zwangsadoptionen von etwa 250 osteuropäischen Kindern, ebenso wie ihre Beteiligung an der Tötung behinderter Kinder wurde erst später bekannt. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem:

„Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, daß der Verein Lebensborn, der bereits lange vor dem Krieg bestand, eine Wohlfahrtseinrichtung und in erster Linie ein Entbindungsheim war. Von Anfang an galt seine Fürsorge den Müttern, den verheirateten sowohl wie den unverheirateten, sowie den ehelichen und unehelichen Kindern. Der Anklagevertretung ist es nicht gelungen, mit der erforderlichen Gewißheit die Teilnahme des Lebensborn und der mit ihm in Verbindung stehenden Angeklagten an dem von den Nationalsozialisten durchgeführten Programm der Entführung zu beweisen []. Der Lebensborn hat im Allgemeinen keine ausländischen Kinder ausgewählt und überprüft. In allen Fällen, in denen ausländische Kinder von anderen Organisationen nach einer Auswahl und Überprüfung an den Lebensborn überstellt worden waren, wurden die Kinder bestens versorgt und niemals in irgendeiner Weise schlecht behandelt. Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, daß der Lebensborn unter den zahlreichen Organisationen in Deutschland, die sich mit ausländischen nach Deutschland verbrachten Kindern befassten, die einzige Stelle war, die alles tat, was in ihrer Macht stand, um den Kindern eine angemessene Fürsorge zuteil werden zu lassen und die rechtlichen Interessen der unter seine Obhut gestellten Kinder zu wahren.“

Lebensborn-Statuten 1935 mit der Unterschrift Heinrich Himmlers

Wahrnehmung in der Öffentlichkeit vor und nach 1945

Da die deutschen Lebensborn-Heime streng abgeschottet waren, entstanden bereits in der NS-Zeit Gerüchte über den Verein Lebensborn als Ort des Lasters, über Paarungszwang und Pornographie. In der Nachkriegszeit wurden in Büchern und einigen Filmen (u. a. „Lebensborn“, BRD 1961, „Pramen Života/Der Lebensborn“, Tschechien 2000) die Gerüchte von den „Zuchtfarmen der SS“ weiter tradiert, wonach sich „fanatische BDM-Mädchen“ von „reinrassigen SS-Zuchtbullen“ hätten begatten lassen, um „reinrassigen“ Nachwuchs zu zeugen. Zwar erwiesen sich die Gerüchte, die Lebensborn-Heime seien SS-Bordelle gewesen, als haltlos, nicht aber die Tatsache, dass dort ledige Mütter Aufnahme fanden, die „den Zuchtkriterien der SS entsprachen“ und meist ein Kind von einem SS-Mann erwarteten.

Selbsthilfegruppen der Kriegs- und Lebensborn-Kinder

Viele Kinder deutscher Soldaten in besetzen Gebieten („Wolfskinder“) sowie die Kinder aus Lebensborn-Heimen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in den befreiten Staaten gemieden oder im Unklaren über ihre Herkunft gelassen. Auch in Deutschland wurden solche Informationen über Lebensborn-Kinder verschleiert. Die Kindergeneration hat deshalb Selbsthilfegruppen zur Aufklärung ihres Schicksals in Norwegen, Dänemark und Deutschland gebildet. Im November 2006 trafen sich mehrere Lebensborn-Kinder öffentlich in Wernigerode, um Aufklärung zu leisten und betroffenen Lebensborn-Kindern bei der Suche nach ihren Ursprüngen zu helfen. Erhalten gebliebene Akten und Dokumente des Lebensborn werden vom Internationalen Suchdienst und vom Bundesarchiv verwaltet. Der Verein kriegskind.de veröffentlicht auch Suchbitten von Lebensborn-Kindern.

* Alle Namen bekannt, wunschgemäß geändert
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11 Kommentare zu SS-Verein Lebensborn: Ledige Mütter mussten den strikten „Zuchtkriterien der SS entsprechen“ – Friedrich M., Dorstener Lebensborn-Kind, schämt sich seiner Geburt

  1. Torsten Kämpfer sagt:

    Ich suche seit Jahren meine Großmutter Hedwig Rodau. Sie hat am 12.September 1937 Rosemarie Rodau in Wernigerode zur Welt gebracht. Wo ist diese Frau später verblieben? Sie kam aus Richtung Hannover und lebte 1936 in Bremen bei ihrer verheitateten Schwester. Hat dort eine Lehre bei Grüttert Juwelier gemacht. War befreundet mit Adolf Reese, der dort Uhrmacher gelernt hat. Er ist der Vater meiner Mutter. Vielleicht finden sich noch Unterlagen, die mir weiterhelfen können.
    Anm. der Redaktion: Oder Leser und Leserinnen, die Hinweise geben können!

  2. henry olsen sagt:

    Ich habe in 1943 eine Schwester gehabt, die als Ausländer in Steinhöring SS-Mütterheim untergebrach war. Ein kind, einen Junge hatte sie da goboren, namens Horst. Vater war SS-Officer. Die ganze Gesichte kann ich wiedergeben, wenn es interesse hat.
    Henry Olsen Dänemark Hornbæk

  3. Anton Wiechmann sagt:

    Liebe Leserinnen und Leser!
    Vielleicht komme ich auf diesem Wege ein Stück weiter. In der Nähe der kleinen Stadt Freren (PLZ 49832) gibt es einen Gebäudekomplex mit dem Namen „Gut Hange“. Ein Teil davon war in den Jahren 1942 bis 1945 von der NSV (Nationalsoz. Volksfürsorge) besetzt, um dort ein Mütterentbindungsheim zu betreiben. 625 Geburten wurden dort in diesen Jahren verzeichnet. Dem Vernehmen nach waren dort schwangere Frauen untergebracht, die aus den bombenbedrohten Städten hierher evakuiert worden waren. Viele von ihnen sollen aus dem Raum Bremen gekommen sein.
    Mittlerweile melden sich Personen, die hier geboren sind, um Näheres über die Umstände ihrer Geburt zu erfahren. So hat sich ein Arbeitskreis gebildet, der sich zum Ziel gesetzt hat, hier Nachforschungen anzustellen. (www.gut-hange.de)
    Leider fehlen uns Akten, Urkunden, Schriftstücke und andere Quellen aus diesen Jahren, um zu detaillierteren Ergebnisse zu kommen. Gibt es unter den Lesern jemand, der von diesem Gut weiß, der vielleicht Personen kennt, die hier geboren sind?
    Dass bei Kriegsende viele Akten vernichtet wurden, ist uns klar. Wo könnten aber Restbestände dieser Akten geblieben sein? Aus Österreich ist mir bekannt, dass dort Restbestände der NSV-Akten überlebt haben, die uns allerdings für diesen Raum nichts nützen.
    Also wer kann uns mit Informationen dienen? Alle möglichen Arten von Hilfe sind erwünscht. Nicht, dass ich mir sehr große Hoffnungen mache, aber einen Versuch ist es wert.
    Es grüßt Anton Wiechmann

    • Johanna W. sagt:

      Da würde ich mich wahrscheinlich zunächst einmal ans Bundesarchiv Koblenz wenden, die haben umfangreiche Bestände, sicherlich auch zur NSV. Wenn dieses „Gut Hange“ ein Entbindungsheim der NSV war, wird es erst ab 1942 gegründet worden sein (da erst ab diesem Zeitpunkt die Anweisung Bormanns vorlag, welche die NSV auch in diesem Bereich der Volksfürsorge beauftragte). Eventuell kann man auch beim ITS in Bad Arolsen anfragen, dort liegen aber wahrscheinlich eher Akten zu Heimen des Lebensborn – trotzdem, man kann ja nie wissen, v. a. da der Lebensborn doch immer wieder und vor allem seit genannter Anweisung Bormanns in offenen Konflikten mit der NSV stand. Ansonsten eben erst mal einschlägige Sekundärliteratur durchackern, auf diese Weise findet man immer wieder gute Hinweise zu Primärquellen.
      Vielleicht auch nicht unbedingt nach der NSV suchen, sondern spezifischer nach der Organisation Mutter und Kind (MuK), die ja für dieses Entbindungsheim zuständig gewesen sein muss.
      Vielleicht hilft ja irgendetwas weiter, mehr fällt mir leider auf die Schnelle auch nicht ein.

      Viele Grüße!

  4. Heike Schwarzfischer sagt:

    Auf der Suche nach dem eigentlichen Vater (Opa) meines viel zu früh verstorbenen Vaters bin ich auf Lebensborn gestoßen. Mein Vater wurde 1945 als uneheliches Kind in einem Kriegsentbindungsheim in Ortenburg bei Passau geboren. Sein Vater war meiner Großmutter zwar bekannt, aber sie hat ihr ganzes Leben über diese „Schande“, wie sie es nannte, geschwiegen. Sie selbst war Angestellte in der Reichsleitung (Sekretärin). Deshalb meine Vermutung. Mein Vater hat dies sein Leben lang sehr belastet. Weiß jemand, ob auch in Ortenburg bei Passau eine solche Einrichtung bestand? Wo kann ich mich weiter informieren?
    Vielen Dank für eure Hilfe

    • Johanna W. sagt:

      Hier eine Liste der (damals inländischen) Lebensborn-Heime (sowohl Kinder- als auch Entbindungsheime):
      Heim Hochland, Steinhöring, bei München
      Heim Alpenland, Oberweis, bei Laaskirchen (Kreis Gmunden), Österreich
      Heim Sonnenwiese (Frohburg?), Kohren-Sahlis (Landkreis Borna, Bezirk Leipzig)
      Heim Pommern, Bad Polzin
      Heim Franken I und II, Schalkhausen bei Boksberg (Kreis Ansbach)
      Heim Wienerwald, bei Feuchtenbach, Pernitz, Nieder-Donau, Österreich
      Heim Schwarzwald, Nordrach bei Baden-Baden
      Heim Harz, Wernigerode
      Heim Kurmark, Klosterheide (Mark/Lindo)
      Heim Taunus, Barnholz bei Wiesbaden
      Heim Friesland, Gut Hohe Horst, bei Bremen.
      Weitere Heime befanden sich in Norwegen, Belgien, Luxemburg, Frankreich.
      In Ortenburg befand sich also m. E. keines und wenn, dann ist dazu wohl nichts bekannt.

      Quelle: List of Lebensborn-Institutions (Lebensborn Report to ITS), Teilbestand 4.1.0, International Tracing Service Archive, Bad Arolsen, Dok.-ID: 82448963-82448966.

  5. Margot Huber sagt:

    Heute vor 76 Jahren bin ich in Steinhöring geboren worden.
    Ich grüße alle Ehemaligen, die mit mir damals dort gewesen sind.
    Gerne hätte ich mal einen Kontakt aufgebaut, weiß aber nicht, wie ich das anstellen soll.

    Vielleicht lerne ich ja auf diesem Weg Jemanden aus München kennen.
    Mit herzlichen Grüßen
    Margot Huber
    ehemals Schricker

  6. Adelheid Sasse sagt:

    Seit langem suche ich eine Dokumentation über das Heim in Steinhöring. Auch hätte ich gerne gewußt, was aus den vielen Kindern in Steinhörig (Sammelpunkt, war selber dort), die keine Angehörigen hatten, nach 1945 geworden ist.
    Wo kann ich suchen?

    Mit freundlichenm Gruß Adelheid Sasse

    • DN sagt:

      Sehr geehrte Frau Sasse,
      eine kleinerer Aufsatz von Anna Bräsel über das Lebensbornheim Hochland in Steinhöring findet sich in folgender Publikation: Baumann, Angelika; Heusler, Andreas (Hrsg.): Kinder für den „Führer“. Der Lebensborn in München. München 2013. – Vielleicht kontaktieren Sie diesbezüglich auch einmal den Verein Lebensspuren e.V in Wernigerode, sowie den Heimatverein in Steinhöring.
      Mit freundlichen Grüßen D.N.

    • Liebe Adelheid Sasse,
      dazu gibt es einiges in dem Buch „Kinder für den ‚Führer‘. Der Lebensborn in München“. Herausgegeben von Angelika Baumann und Andreas Heusler.
      Mit lieben Grüßen,
      Dr. Gudrun Eußner

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