Ein unsägliches Geschreibsel: Aufsatz im Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck 1934 von Lehrer Schmitt, Holsterhausen, zur Frage „Warum Rassenkunde?“

Titelseite Heimatkalender 1934, die letzte Ausgabe bis 1952

Von Wolf Stegemann

Eigentlich bedarf der folgende Artikel von Lehrer Schmitt aus Holsterhausen, der im Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck 1934 veröffentlicht wurde, wegen des unsäglich zusammengeschriebenen Unsinns keines Kommentars. Der Artikel entlarvt den Schreiber  und die Idee des nationalsozialistischen Rassenwahns von selbst. Dennoch sind einige Hinweise angebracht. Denn der Artikel entstand bereits 1933, in einem Jahr also, in dem solche Veröffentlichungen mit einer katholischen Herausgeber- und überwiegend katholischen Leserschaft nichts anderes ist, als freiwilliger vorausgeeilter politischer Gehorsam gegenüber den Nazis. Und wieder war es ein Volksschullehrer, der sich als Autor dazu hergab, den blühenden Unsinn über nordische Herrenmenschen, Aufnordung und Aufartung der Herren-Kultur und Sitte zu schreiben, aber auch die These, dass krankes und schwächliches Leben eine verbrecherische Schande sei, die vom Staat ausgelöscht werden müsse. Ob sich der Herr Lehrer Schmitt aus Holsterhausen und die Herausgeber des Heimatkalenders, der Heimatbund der Herrlichkeit Lembeck unter Vorsitz des katholischen Landdechanten Pfarrer Vrey aus Erle, überhaupt klar waren, was sie geschrieben und veröffentlicht haben?

Die Ausgabe des Jahres 1934 war die letzte, die erschienen war. Eine Neubegründung des Heimatkalenders erfolgte erst wieder 1952. Allerdings war die Einstellung des Heimatkalenders, welche Gründen dafür auch immer entscheidend gewesen sein mochten, damals nicht unumstritten. Der 1. Vorsitzende des Heimatbundes, Pfarrer Vrey, und der Beigeordnete des Amtes Hervest-Dorsten, Rose, beriefen sich in ihrem pathetischen Aufruf zur Mitarbeit auch auf Adolf Hitler und den neuen vaterländischen Geist:

„Die Heimat- und Vaterlandsliebe sollten durch den Heimatgedanken in den Herzen entflammt werden, damit die Menschen sich nicht entfremden, damit die Jugend im heimatlichen Volkstum und Gedankengut nach Elternart sich emporrecke und in den Seelen durch die Heimat erstarke. […]. Da ist es selbstverständlich, wo ganz Deutschland einig hinter einem genialen Führer steht, wo der Gedanke der Volksverbundenheit, der Familienforschung, der Pflege des heimatlichen Volkstums, der sozialen Gerechtigkeit die deutsche Nation leidenschaftlich erfasst hat, da ist es selbstverständlich, dass wir, mitergriffen von dem großen vaterländischen Geschehen, wieder an die Kalenderarbeit gehen. Jeder Mitarbeiter darf das Bewusstsein tragen, aus seinem Geist heraus beigetragen zu haben an dem großen nationalen Werke unseres Reichskanzlers, an dem Wiedererstarken der deutschen Seele! […] – Sofort an die Arbeit!“

Der Heimatbund-Vorstand warb vergebens um weitere Mitarbeit. Etliche Autoren des Heimatkalenders wechselten als Folge der Einstellung des Kalenders zu dem auf Nazi-Linie getrimmten „Vestischen Kalenders“, wie beispielsweise Hauptlehrer Franz-Joseph Kellner aus Holsterhausen. – Leider hat der „Heimatbund der Herrlichkeit Lembeck und Stadt Dorsten“, wie er heute heißt, dieses Thema noch nicht aufgearbeitet. – Es folgt der ungekürzte Abdruck des Artikels von 1934. Die Zwischentitel wurden der besseren Lesbarkeit wegen eingefügt.

Ausriss des Artikel im Heimatkalender für die Herrlichkeit Lembeck, 1934

Warum Rassenkunde ? / Von Lehrer Schmitt, Holsterhausen

 „Die Sünde wider Blut und Rasse ist die Erbsünde dieser Welt und das Ende einer sich ihr ergebenden Menschheit.“ Hitler.

Mit diesen Worten weist unser Reichskanzler und Führer des Volkes Adolf Hitler auf die große Bedeutung der Rassenfrage für das geschichtliche Werden und Vergehen der Völker  und ihrer Kulturen hin. Auch das künftige Schicksal des deutschen Volkes  hängt von der Lösung der Rassenfrage ab.

Völker kommen und vergehen, Kulturen entstehen und versinken. Forschen wir nach den Ursachen des Verfalls, dass nicht Überkultur und Verweichlichung, sondern Entartung und Rassentod, das Aussterben des kulturbegründenden nordischen Volksteiles, den Untergang herbeigeführt haben. Völker müssen nicht sterben, wenn sie ihre Rasse pflegen und somit  ihre Sitte und Kultur nur auf auserlesenen Trägern und Pfeilern ruht. Dies zeigt uns die Geschichte des jüdischen Volkes, das Jahrhunderte und Jahrtausende fast unverändert überdauern konnte. In Urzeiten erfolgte auf ganz natürliche Weise die Auslese. Nur der Gesunde vermochte den Unbilden der Natur zu trotzen, nur der Starke den Kampf ums Dasein bestehen, nur der findige Kopf Sieger gegen die übermächtigen Feinde im Tierreiche  bleiben.  Dem Starken und Listigen viel durch Kampf und Sieg bas Recht der Fortpflanzung zu  Es kamen somit immer nur die begabtesten, stärksten und widerstandsfähigsten Menschen zur Fortpflanzung, aus deren Nachkommenschaft sich durch fortwährende Auslese, indem sich immer das gleiche Erbbild, gleiche körperliche und geistige Eigenschaften, fortpflanzte, im Laufe von Jahrtausenden eine Rasse herauskristallisierte. Erbgleiche Menschengruppen bilden also eine Rasse. Prof. Dr. Hans Günter erläutert den Begriff „Rasse“ mit folgenden Worten:

„Eine Rasse stellt sich dar in einer Menschengruppe, die sich durch die ihr eignene Vereinigung körperlicher Merkmale uns seelischer Eigenschaften von jeder anderen (in solcher Weise zusammengefassten) Menschengruppe unterscheidet und immer wieder nur ihresgleichen zeugt.“

Die Rassenzugehörigkeit wird also nicht bestimmt. Durch die Sprache, durch das Land, in dem der Mensch lebt, durch die Religion, sondern nur durch das gleiche Erbbild. – Alle Völker Europas sind Rassengemische, auch das deutsche Volk ist nicht reinrassig. In dem deutschen Volke finden sich Kreuzungen zwischen fünf Rassen, der nordischen, fälischen, westischen, ostischen und dinarischen vor. Rassenkreuzung senkt das Niveau der höheren Rasse und bedingt geistigen und körperlichen Rückgang. Aus dieser Erkenntnis heraus erhebt unser Führer Adolf Hitler die Forderung nach der Reinhaltung von Blut und Rasse.

„Nein, es gibt nur ein heiligstes Menschenrecht, und dieses Recht ist zugleich die heiligste Verpflichtung nämlich: dafür zu sorgen, dass das Blut rein erhalten bleibt, um durch die Bewahrung des besten Menschentums die Möglichkeit einer edleren Entwicklung dieser Weise zu geben.“

Der völkische Staat hat Erziehungsarbeit zu leisten

Er gibt uns auch die Wege an, die der völkische Staat beschreiten muss, um das Ziel zu erreichen.

„Ein völkischer Staat wird damit in erster Linie die Ehe aus dem Niveau einer dauernden Rassenschande herauszuheben haben, um ihr die Weihe jener Institution zu geben, die berufen ist, Ebenbilder des Herrn zu zeugen und nicht Missgeburten zwischen Mensch und Affe […]. Er hat die Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen Lebens zu setzen. Er hat für die Reinerhaltung zu sorgen. Er hat das Kind zu dem kostbarsten Gut eines Volkes zu erklären. Er muss dafür Sorge tragen, dass nur wer gesund ist, Kinder zeugt: dass es nur eine Schande gibt: bei eigener Krankheit und eigenen Mängeln dennoch Kinder in die Welt zu setzen, doch eine höchste Ehre: darauf zu verzichten. Umgekehrt muss es aber als verwerflich gelten: gesunde Kinder der Nation vorzuenthalten. Der Staat muss dabei als Wahrer einer tausendjährigen Zukunft auftreten, der gegenüber der Wunsch und die Eigensucht des einzelnen als nichts erscheinen und sich zu beugen haben.

Er hat die modernsten ärztlichen Hilfsmittel in den Dienst dieser Erkenntnis zu stellen. Er hat, was irgendwie ersichtlich krank und erblich belastet und damit weiter belastend ist, zeugungsunfähig zu erklären und dies praktisch auch durchzusetzen. Er hat umgekehrt dafür zu sorgen, dass die Fruchtbarkeit des gesunden Weibes nicht beschränkt und durch die finanzielle Luderwirtschaft eines Staatsregiments, das den Kindersegen zu einem Fluch für die Eltern gestaltet. Er hat mit jener faulen, ja verbrecherischen Gleichgültigkeit, mit der man heute die sozialen Voraussetzungen einer kinderreichen Familie behandelt, aufzuräumen und muss sich an Stelle dessen als oberster Schirmherr dieses köstlichen Segens eines Volkes fühlen. Seine Sorge gehört mehr dem Kinde als dem Erwachsenen.

Wer körperlich und geistig nicht gesund und würdig ist, darf sein Leid nicht im Körper seines Kindes verewigen. Der völkische Staat hat hier die ungeheuerste Erziehungsarbeit zu leisten. Sie wird aber dereinst auch als eine größere Tat erscheinen, als es die siegreichsten Kriege unseres heutigen bürgerlichen Zeitalters sind. Er hat durch Erziehung den einzelnen zu belehren, dass es keine Schande, sondern nur ein bedauernswertes Unglück ist, krank und schwächlich zu sein, dass es aber ein Verbrechen und daher zugleich eine Schande ist, dieses Unglück durch eigenen Egoismus zu entehren, indem man es unschuldigen Wesen wieder aufbürdet; dass es demgegenüber von einem Adel höchster Gesinnung und bewundernswertester Menschlichkeit zeugt, wenn der unschuldig Kranke, unter Verzicht auf ein eigenes Kind, seine Liebe und Zärtlichkeit einem unbekannten armen, jungen Sprossen seines Volkstums schenkt, der in seiner Gesundheit verspricht, dereinst ein wertvolles Glied einer kraftvollen Gemeinschaft zu werden. Und der Staat hat in dieser Erziehungsarbeit die rein geistige Ergänzung seiner praktischen Tätigkeit zu leisten. Er muss ohne Rücksicht auf Verständnis oder Unverständnis, Billigung oder Missbilligung in diesem Sinne handeln.“

Das deutsche Nibelungenlied kündet von dem Herrenzeitalter

Gleiche und ähnliche Wege, wie sie hier Adolf Hitler angibt, weist uns die Erbgesundheitslehre für die Aufartung des Volkes. Neben dieser Aufartung schreitet dieser als zweite Aufgabe der Rassenkunde die Aufnordung einher. Darunter versteht man die Mehrung des nordischen Blutes innerhalb eines Volkes. Die Geschichte lehrt, dass vorwiegend die nordische Rasse Staatengebilde schuf und Kulturen begründete. Aus ihrer Heimat im nördlichen drang sie erobernd nach dem Süden und Südosten vor und vernichtete als Herrenvolk auf den Trümmern mittelländischer und asiatischer Reiche neue Staaten und Kulturen. Die altindische und altpersische Dichtung, die griechische Illias und das deutsche Nibelungenlied künden von dem Herrenzeitalter der nordrassisch bedingten Völker. Kühnheit und Wagemut, Großmut und Edelsinn, Wahrheitsliebe und Gerechtigkeit, Selbstvertrauen und Entschlusskraft, Treue und Glaube, sind die Grundzüge der nordischen Seele. Nicht Vorrecht und Vergünstigungen, sondern Dienst, Pflicht und Opfer sind die Kennzeichen des nordischen Herrentums.

Die fortschreitende Entnordung des Volkes muss aufgehalten werden

Der schöpferische Geist des nordischen Menschen ist es, der neue Kulturen entstehen lässt, deren steinerne Denkmäler und Bauten Zeugnis ablegen von der geistigen Höhe ihrer Erzeuger. Solange die alten Inder, Perser, Griechen und Römer die Rassengesetze beachteten, Rassenpflege trieben und dadurch ihr Blut rein, frei von fremdrassigen Bestandteilen erhielten, waren sie ein mächtiges Volk und besaßen eine hochstehende Kultur. Erst Rassenkreuzung und Rassenmischung bedingten den allmählichen Zusammenbruch ihres Volkes und das Herabsinken ihrer Sitte und Kultur. Der durch den Geburtenmangel hervorgerufene geringere Zuwachs des nordischen Herrenvolkes und die starke Vermehrung des unterdrückten Volkes hatte eine Umschichtung zu ungunsten des ersteren zur Folge. Die Entfernung von der starken Basis des bäuerlichen Grundbesitzes und das Hineinströmen in die Stadt beschleunigten den Prozess. Gerade der bäuerliche Grundbesitz war der Grundpfeiler des nordischen Volkes. Gerade er füllte den durch die vielen Kriege, die nur allein die nordische Herrenschicht führte, stark gelichteten Bestand des nordischen Volkes immer wieder auf. Mit dem Versiegen dieses Quells war jedes nordische Volk und seine hochstehende Kultur dem Tode geweiht, mit dem Aussterben der nordischen Oberschicht schwand das edle Führertum, und an seine Stelle trat das Verderben bringende Massentum. Ähnliche Verfallserscheinungen, wie ich sie eben aufzeigte, können wir auch an unserm deutschen Volke beobachten. Ehemals rein nordisch bedingt, ist der Anteil des nordischen Blutes im Laufe von Jahrhunderten aus 50 Prozent gesunken. Die fortschreitende Entnordung des deutschen Volkes aufzuhalten, ist die Aufgabe der gegenwärtigen Generation. Gerade weil der Gesamtcharakter des deutschen Volkes dem Wesen des nordischen Menschen entspricht, ist es notwendig, um ein Herabsinken des hohen geistigen und seelischen Niveaus des deutschen Volkes zu verhindern, dass der eigentliche Träger des deutschen Wesens, der nordische Mensch, in seinem Bestand erhalten bleibt. Die Großstädte sind es, die eine Schädigung des Bestandes an nordischem Blut herbeiführen. Auf dem. freien Landbesitz kann das nordische Blut am besten gedeihen und rein erhalten bleiben. Darum geht auch das Bestreben der Regierung dahin, Neuland mit vorwiegend nordischen Bauern zu besiedeln. Das neue Erbhofrecht sichert dem deutschen Volke den Anteil an nordisch-bäuerlichem Grundbesitz  Soll der Entnordung unseres Volkes Einhalt geboten werben, ist es die heilige Pflicht jedes gesunden nordischen oder vorwiegend nordischen Menschen durch Steigerung der Geburtenzahl den rassenmäßigen Bestand an nordischem Blut zu sichern und zu mehren. Frühheirat und geeignete Gattenwahl beschleunigen den Prozess der Aufnordung. Wichtig ist für uns nicht so sehr die Frage, ob der einzelne Mensch mehr oder weniger nordisch ist, viel wichtiger ist die Frage, ob das heutige Geschlecht den Mut aufbringt, den kommenden Generationen eine rassisch reine Welt vorzubereiten. Hat die Entnordung sich in einem langen Zeitabschnitt vollzogen, so erscheint es einleuchtend, dass die Aufnordung nur von Erfolg gekrönt sein kann, wenn sich die Auslese über einen Zeitabschnitt von mehreren Jahrhunderten erstreckt.

„Der völkischen Weltanschauung muss es im völkischen Staat endlich gelingen, jenes edlere Zeitalter herbeizuführen, in dem die Menschen ihre Sorge nicht mehr in der Höherzüchtung von Hunden, Pferden und Katzen erblicken, sondern im Emporheben des Menschen selbst, ein Zeitalter, in dem der eine erkennend schweigend, der andere freudig opfert und gibt.“  (Adolf Hitler)

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Anmerkung des Autors: Über Lehrer Schmitt konnte ich bislang keine weiteren Informationen bekommen. Die verstorbene Staatssekretärin Agnes Hürland-Büning, die in Holsterhausen geboren wurde und gelebt hat, erwähnt ihn kurz in ihren (unveröffentlichten) Memoiren. Sie beschreibt ihre Einschulung 1932 in die Bonifatiusschule: „Außer Fräulein Schmecken hatten wir noch den Lehrer Schmitt, den wir nur „Scher di weck“ nannten. „Scher di weck, hinter Kartee“ war sein ständiger sehr nasaler Ausspruch. Scher di weck hinter Kartee darum, weil hinter der großen Tafel der Kartenständer mit einer großen Landkarte stand. Walter Schmitt war Junglehrer – und ein Gemütsmensch.“ Sein Name taucht in den Memoiren nicht wieder auf. Er ist bislang auch nicht auf Fotos jener Zeit zu entdecken gewesen.


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