Jüdische Brigade – Der ehem. Dorstener Hersch Wassermann kämpfte in jüdischem Bataillon gegen Nazi-Deutschland

Hersch Wassermann kämpfte in einem jüdischen Bataillon

Von Wolf Stegemann

Im Jahre 1929 zog der jüdische Emigrant Hersch Wassermann mit seiner Frau Malka nach einer langen Odyssee durch Europa nach Dorsten, wo 1931 sein Sohn Itzig geboren wurde. Als die dunklen Wolken des nationalsozialistischen Antisemitismus sich auch über Dorsten zusammenzogen, suchte die Familie Wassermann in Palästina Geborgenheit. Hersch Wassermann, der dort den Namen in Mybar hebräisierte, trat 1940 als Soldat in eines der neu aufgestellten 15 jüdischen Bataillone der Britischen Armee ein, kämpfte gegen die Deutschen in Griechenland, geriet in Gefangenschaft und konnte auf dem Transport nach Deutschland, wo ihn das Konzentrationslager erwartet hätte, fliehen. Aus diesen jüdischen Bataillonen wurde später die „Jüdische Brigade“ gebildet. – Über die Türkei gelangte Wassermann 1945 wieder nach Palästina, arbeitete bis Ende der 1960er-Jahre im Hafen von Tel Aviv, bevor er Polizist und mit der Goldenen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde. Drei Jahre nach seiner Pensionierung starb Hersch Wassermann. Sein Sohn besuchte mehrmals seine Geburtsstadt Dorsten.

Hintergrund

Nachdem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, versuchte Chaim Weizmann, Präsident des Zionistenkongresses, eine jüdische Einheit zu bilden, die unter einer jüdischen Flagge gegen Nazi-Deutschland kämpfen sollte. Sein Gesuch wurde von den Briten abgelehnt. Doch im September 1940 konnten 15 Bataillone mit Juden aus Palästina aufgestellt werden, die 1941 u. a. in Griechenland gegen die Deutschen kämpften.

Das Palästinensische Regiment

Für das „Palästina-Regiment“ meldeten sich dreimal mehr jüdische als arabische Freiwillige.  1942 wurden drei jüdische Bataillone und ein arabisches Bataillon gebildet. Das Palästina-Regiment kam in der Schlacht von El-Alamein zum Einsatz.

Ärmelabzeichen der Jüdischen Brigade

Aufstellung der Jüdischen Brigade

Nachdem Berichte über Gräueltaten der Nationalsozialisten und den Holocaust von den Alliierten veröffentlicht wurden, überzeugte der britische Premierminister Churchill dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt, dass die Juden aller Völker das Recht hätten, gegen die Deutschen in einer deutlich erkennbaren Form zu kämpfen. Im September 1944 wurde die Bildung der Jüdischen Brigade bekannt gegeben. Sie umfasste über 5.000 jüdische Freiwillige aus Palästina, die in drei Infanterie-Regimentern und weiteren Einheiten aufgeteilt waren. Die zeitgenössische Presse bezeichnete die Aufstellung der Brigade als eine „leere Geste“ (The New York Times) und als „fünf Jahre zu spät“ schrieb „The Guardian“.

Fluchthilfe an der Grenze zu Österreich und Jugoslawien (Brichah)

Unter dem Kommando des kanadischen Brigadiers Benjamin, selber Jude, kämpfte die Jüdische Brigade von März 1945 bis Kriegsende in Italien. Sie half an der Grenze zu Österreich und Jugoslawien Juden aus dem kriegszerstörten Europa nach Palästina zu bringen. Diese Fluchthilfe (hebräisch „brichah“) wurde auch nach der Auflösung der Brigade fortgesetzt. Angehörige der Jüdischen Brigade formten nach dem Krieg Zellen mit dem Ziel, Offiziere der SS und Wehrmacht, die an Verbrechen gegen die europäischen Juden teilgenommen hatten, zu liquidieren. Informationen zur Durchführung dieser Racheakte wurden teils durch militärische Verbindungen erlangt, teils durch Folterung gefangener deutscher Soldaten. Die so beschafften Informationen wurden benutzt, um Killerkommandos zu entsenden, in einem Versuch durch Ermordung dieser für schuldig befundenen Offiziere die erlittenen Gräuel an den europäischen Juden zu rächen. Im Juli 1945 wurde die Brigade nach Belgien und in die Niederlande verlegt und im Sommer 1946 aufgelöst. Nach dem Autor Howard Blum (deutsche Ausgabe von 2002) bestand ein Bataillon der Jüdischen Brigade noch im Mai 1949 und bewachte in Holland ein gefangen genommenes deutsches Fallschirmjäger-Regiment. – Siehe Buchbesprechung auf der Seite „Literatur zum Thema“.

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