NS-Kunstpolitik: Alles wurde kontrolliert – Malerei und Film, Theater und Architektur, Zeitungen und Bücher …

Perfekt gemalte Menschen, Tiere und Landschaften galten als Inbegriffe "deutscher Kunst" (Max Bergmann "Die Scholle")

wl – Ein Jahr vor dem Erscheinen seines Hauptwerks „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“, in dem die völkisch-nationale Kunst- und Kulturtheorie einen breiten Raum einnimmt, gründete NS-Mythologe Alfred Rosenberg 1929 mit dem „Kampfbund für deutsche Kultur“ die erste kunstpolitische Organisation der Nationalsozialisten. Rosenberg, der „Beauftragte des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“, hatte mit seiner Organisation jedoch weniger Erfolg als erhofft. Nach der Umbenennung 1934 in „Nationalsozialistische Kulturgemeinde“ ging sein Kampfbund allmählich in Robert Leys Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) auf. Aber auch Ley schaffte es nicht, sich kunstpolitisch durchzusetzen. Nur aufgrund seiner Verständigung mit Rosenbergs Gegenspieler Joseph Goebbels gelang es ihm, seiner allmählich in den Freizeitbereich abdriftenden Organisation größeren Spielraum zu bewahren.

Dem „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“, Joseph Goebbels, gelang es, die im Rahmen der allgemeinen „Gleichschaltung“ im September 1933 gegründete und ebenfalls von ihm geführte „Reichskulturkammer“ zum Instrument der nationalsozialistischen Kulturpolitik und des Propagandaministeriums zu machen.

Selektion der Kunst lag allein beim Propagandaminister

Gegliedert in sieben Einzelkammern für Bildende Künste, Schrifttum, Musik, Theater, Film, Rundfunk und Presse diente die Reichskulturkammer einer einheitlichen Kulturförderung und der Regelung der sozialen und wirtschaftlichen Belange der Kulturschaffenden, die zur Mitgliedschaft verpflichtet waren. Ausschluss aus einer der Kammern aus rassischen oder politischen Gründen bedeutete praktisch Berufs- und Veröffentlichungsverbot.

Die von der Kulturkammer ergangene Flut von Anweisungen bei der Selektion und Beurteilung von neu geschaffenen und bestehenden Kunstwerken war ausschlaggebend für die offizielle Anerkennung. In vielen Fällen lag die Entscheidungsbefugnis allein bei Goebbels. Bis 1937 war es dem Propagandaminister gelungen, auf Reichsebene alle Kunst- und Kulturkompetenzen in seiner Person zu vereinen. Vertrat Goebbels in den Anfangsjahren des NS-Regimes noch eine Kunstauffassung, die der kulturellen Avantgarde nicht vollkommen abgeneigt war, änderte sich seine Haltung durch die anhaltenden Auseinandersetzungen mit den verschiedenen kulturpolitischen Organisationen – und auch mit Adolf Hitler selbst – zu jener ideologischen Radikalität, die Rosenberg immer gefordert hatte.

Auseinandersetzung über Kunst waren unerwünscht

In der Praxis gab es kaum einen Unterschied zwischen NS-Kunst und Kunstpolitik. Auseinandersetzungen über kunsttheoretische Fragen oder die Autonomie der Kunst waren bei den Nationalsozialisten unerwünscht. Das Kunstschaffen hatte im Dienst von Staat, Volk und Rasse zu stehen. Einigkeit in der Kunstpolitik des NS-Staates herrschte in der Forderung nach radikaler „Arisierung“ des deutschen Kulturschaffens und konsequenter Diffamierung alles Jüdischen als „rassisch entartet“. Darüber hinaus erfolgte eine Verdammung der modernen Kunst zugunsten der traditionellen akademischen Genremalerei im Stil des späten 19. Jahrhunderts. Intensive Beachtung schenke man vor allem der Bildenden Kunst (insbesondere Architektur und Bildhauerei) und den oft zu Propagandazwecken missbrauchten neuen Medien Film und Rundfunk (Deutsches Historisches Museum).

 

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Ein Kommentar zu NS-Kunstpolitik: Alles wurde kontrolliert – Malerei und Film, Theater und Architektur, Zeitungen und Bücher …

  1. HansPeter Bergmann sagt:

    Sicher stimmt das alles, was im obigen Artikel erläutert ist. Allerdings Max Bergmann als leuchtendes Beispiel für NS-konforme Kunst zu nehmen, kann man nicht unkommentiert stehen lassen. Auch ich saß anfangs genau diesem Eindruck auf. Die Beschäftigung mit Bergmann, die aus unserer zufälligen Homonymität entstand, brachte ein ganz anderes Bild zutage. Als Zügelschüler war er der Tiermalerei verpflichtet, allerdings bereite ein Vierteljahrhundert vor der Machtergreifung. Als Schüler Herterichs kam er mit der Porträtmalerei des Impressionismus und Jungendstil in Berührung. Als Inspirator und Freund Marcel Duchamps ist er weit weg von der NS-Kunst.
    Bergmann förderte und versteckte während der NS-Zeit seinen brasilianischen Schüler Artur José Nísio vor den Nazis. Ein Blick auf Bergmanns Gesamtwerk, das allerdings zu einem großen Teil der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, zeigt, dass es einen ganz anderen Maler Bergmann gab. Dieser beschäftigte sich mit Akt- und Personenmalerei, christlicher Kunst und zahlreichen expressionistischen Experimenten.
    Bei genauerem Hinsehen entsteht der Eindruck, dass Bergmanns Tiermalerei im Nationalsozialismus vor allem dazu diente, die Entartete-Kunst-Häscher sich mit konformen Arbeiten vom Leibe zu halten, um sich unbehelligt den künstlerischen Themen zu widmen, die ihm wichtig erschienen.

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